Version 1.6 | Datum 06/10/2009
  mediajournal
 
       
 


Philip Gnadt

 

 

Erstellung von Desktopmovies



Wer kennt das nicht? Man hat einen Film erstellt. Die Ausspielung auf VHS hat wunderbar geklappt, doch dann spielt man mit dem Gedanken, sein Werk ins Netz zu stellen oder auf eine CD-ROM zu brennen. Voller Eifer bemüht man den Menupunkt „Export“ seines Schnittprogramms – doch die Vorfreude wird schnell gebremst, angesichts einer Flut von Formaten, Codecs und Optionen. Nichts desto trotz versucht man es - fertig gerendert schaut man sich voller Erwartung das Ergebnis an. Es hat allerdings in den seltensten Fällen etwas mit dem gemein, was man beispielweise von den Kinotrailern der Apple Quicktime Seite (www.apple.com/trailers) kennt.
Es drängen sich Fragen auf: Was machen die besser? Was mache ich falsch? Darum soll es im folgenden gehen.

Das Ausgangsmaterial

Entgegen der langläufigen Meinung sollte das Ausgangsmaterial das Beste sein was man bekommen kann. Optimalerweise also z.B. eine gute DigiBeta-Abtastung eines 35mm Films. In allen anderen Fällen sollte darauf geachtet werden, möglichst nah am Ausgangsmaterial zu bleiben. Das ausgespielte VHS-Material sollte also möglichst nicht benutzt werden.
Wird ein Film speziell für eine Webanwendung gedreht können zusätzliche Tips beachtet werden:

Der Dreh

Dreht man auf einer digitalen Kamera, hat man den Vorteil, daß das Material bereits in einer digitalen Form vorliegt. Es muß also später nicht gecaptured werden, was immer zu Verlusten führt.
Besitzt die Kamera einen Vollbildmodus (Progressive Mode) ist es sinnvoll ihn zu benutzen.
Man sollte möglichst ein Stativ verwenden und Schwenks und Fahrten vermeiden, also die Bewegung im Bild auf das nötigste beschränken.
Besitzt die Kamera einen variablen Shutter sollte er optimalerweise auf die Hälfte der verwendeten Bildwiederholfrequenz gesetzt werden (bei 25 fps also 1/50 Sekunde), um eine leichte Bewegungsunschärfe zu erhalten. Die Beleuchtung sollte darauf abgestimmt werden und insgesamt
ausgewogen sein, also nicht zu hohe Kontraste haben. Für Webvideo gilt: lieber etwas über- als unterbelichtet.
Der Hintergrund sollte möglichst ruhig sein. Eine einfarbige Wand ist besser, als ein Bücherregal oder ein Fenster. Das Subjekt sollte etwas heller sein als der Hintergrund. Hier bietet sich auch die Benutzung einer Blue- oder Greenscreen an, für die man dann ein Standbild einkeyen kann.
Generell sollte darauf geachtet werden zu viele Details im Bild zu vermeiden. Die Kompression kann aus einem karierten Jacket etwas sehr unansehnliches machen. Reines Weiß ist allerdings auch problematisch, eine helle Farbe ist immer besser.

All dies ist notwendig um die später folgende Kompression zu optimieren.

Der Schnitt

Nun wird der Film geschnitten. Für welches Verfahren man sich dabei entscheidet ist relativ beliebig, wobei natürlich ein digitales, nonlineares Schnittverfahren von Vorteil ist, da am Ende die Daten bereits digital vorliegen.
Ob von analogem Material gecaptured oder direkt aus dem Schnittprogramm übernommen, das Material sollte nun in der Fullscreen-Auflösung 768 x 576 mit 25 fps / interlaced, also mit beiden Halbbildern vorliegen.
Für den normalen TV-Gebrauch ist das Endergebnis dann ausreichend, da ein normaler Monitor die Overscan-Informationen die sich am Rand eines Videosignals befinden nicht anzeigt. Ein Desktop Videoplayer zeigt aber alle Informationen an, deshalb ist es nötig das Bild zu beschneiden (Croppen). Bei dieser Gelegenheit sollten auch evtl. schwarze Balken weggeschnitten, also das ursprüngliche Seitenverhältnis (Aspect Ratio) wieder hergestellt werden – zum einen um einen edleren Eindruck zu erhalten, zum anderen, um nicht unnötigerweise millionen von schwarze Balken durchs Netz zu schicken. Mit welchem Programm man auch immer sein Video beschneidet ist schlußendlich egal, wichtig ist, unnötige Informationen wegzuschneiden.
Jetzt sollte der Film De-interlaced werden, also aus den 50 Halbbildern (Fields) 25 Vollbilder (Frames) errechnet werden.

Die Komprimierung

Bis hierhin haben wir das Video eigentlich nur bearbeitet um optimal für die Komprimierung vorbereitet zu sein. Der nächste Schritt wäre die Festlegung auf ein Exportformat (MPEG, Real Media etc.), ich habe mich an dieser Stelle für ein Quicktime Movie entschieden. Jedes Format läßt sich aber mit verschiedenen Codecs komprimieren. Für welchen Codec man sich entscheidet hängt immer von der Anwendung ab und natürlich auf welche Codecs man überhaupt Zugriff hat. Jeder Codec hat letztendlich ähnliche Parameter und auf die Wesentlichen will ich mich hier beschränken. Angemerkt sei an dieser Stelle, daß die „Apple Compressionists“, jene Cracks die für die Trailer auf www.apple.com/trailer verantwortlich zeichnen, für das Bild exclusiv den Sorenson Codec benutzen, für den Ton entweder den „Q.Design 2 Music Codec (Professional Version)“ oder „IMA 4:1“.

Die wichtigsten Parameter sind:

Größe (Size)

Optimalerweise sollten Höhe und Breite (in Pixeln) durch vier teilbar sein. Viele Codecs erzeugen ein gutes Ergebnis, wenn man sie später im Player mit der doppelten Größe abspielt.
z.B. 1/2 , 1/4

Datenrate (Data Rate)

Die Datenrate ist die Anzahl der „kilobytes pro Sekunde“ um das Video abzuspielen und ist vorallem abhängig vom Zielmedium. Als Beispiel seien hier genannt:
56K Modem (53 Kbits/sec.) >> eine Datenrate von 4 Kbytes/sec
Dual ISDN (128 Kbits/sec.) >> eine Datenrate von 10 Kbytes/sec
DSL (384 Kbits/sec.) >> eine Datenrate von 30 Kbytes/sec

Bildwiederholfrequenz (Frame Rate)

Für die Zielbildwiederholfrequenz sollte eine einfache Teilung der ursprünglichen Bildwiederholfrequenz benutzt werden, ½, 1/3, ¼, 1/5 und so weiter. Geht man also von 24 fps aus, sollte man z.B.: 12 oder 8 fps verwenden, bei 25 fps, 12,5 oder 6,25 fps (generell gilt: höhere Framerate bei viel Bewegung und vielen Schnitten im Bild.)

Key Frames

Keyframes sollten das 10fache der verwendeten Bildwiederholrate betragen:
z.B: bei 12.5 fps sollten die Keyframes auf 125 gesetzt werden.

Farben (Colors)

Handelt es sich bei dem zu komprimierenden Film um einen Schwarz/Weißen sollten „Graustufen” verwendet werden. Für grafische Animationen reichen im Normalfall 256 Farben. Sind die Bilder photorealistisch ist alles ab tausend Farben gut. Wie weit man gehen kann hängt wieder mal vom Zielmedium ab.

In der folgenden Tabelle sind nochmal die wichtigsten Parameter für drei Anwendungsfälle zusammengefasst:

Qualität Größe Breite Höhe Bildwiederholrate Datenrate
Niedrig 3/8 from original source ca. 240 Pixel Abhängig vom Seitenverhältnis 6,25 fps 4 Kbytes/sec
Mittel ½ from original source ca. 320 Pixel Abhängig vom Seitenverhältnis 12,5 / 6,25 fps 10 Kbytes/sec
Hoch ¾ from original source ca. 480 Pixel Abhängig vom Seitenverhältnis 12,5 fps 30 Kbytes/sec


Ton

Setzt man die Datenrate fürs Bild fest, sollte man darauf achten noch etwas Bandbreite für den Ton zu reservieren. Als Anhaltspunkt sollen folgende Werte an dieser Stelle genügen:

Audio High End: 44KHz // 16 bit // Stereo // 8-10 Kbits/Sekunde // Quality 100%
Audio Low End: 22kHz // 16 bit // mono // 3,5-5 Kbits/Sekunde // Quality 50%


Abschließend sei hier noch gesagt, daß nicht alle Programme so komfortabel sind um den beschriebenen Weg nachzumachen. Herausragend ist hier natürlich ein Programm wie Media Cleaner aus dem Hause Discreet, aber ich denke auch mit anderen Programmen wird man seinem Ziel hoffentlich ein bischen näher kommen.

 

Literaturliste

 

[Apple 02]:

Apple; QuickTime for the Web – for Windows and Macintosh, Second Edition; 2002


[St/Le 99]: Stern, Judith/Lettieri, Robert; QuickTime Pro 4; 1999

 

Liste externer Links

http://www.apple.com
http://www.sorenson.com